23.2.2026
Zwischen Traumtor und Trauer
Es gibt Spiele, über die schreibt man mit breiter Brust. Und es gibt Spiele, bei denen einem die Worte erst mal im Hals stecken bleiben.
Das 2:2 gegen Hoffenheim war sportlich eines dieser wendungsreichen Bundesligaspiele, leidenschaftlich geführt, intensiv, mit einem Tor wie gemalt. Und doch wird dieser 23. Spieltag in unseren Köpfen anders verankert bleiben. Kurz vor Anpfiff ereignete sich im Ostbereich des Stadions ein schwerer Sturz, ein 90-jähriger FC-Anhänger musste reanimiert werden und verstarb später im Krankenhaus.
Was bleibt, ist Mitgefühl. Für die Familie, für die Angehörigen, für alle, die diesen Moment miterlebt haben. Ein Stadion ist mehr als Beton, mehr als Rasen, mehr als 90 Minuten. Es ist Heimat. Und wenn dort jemand aus unserer FC-Familich aus dem Leben gerissen wird, dann hält man inne. Dann wird aus Lautstärke Stille.
Die Südkurve stellte ihren Support ein, erst zögerlich, dann geschlossen. Und plötzlich lag über Müngersdorf diese ungewohnte Ruhe, fast wie bei einem Geisterspiel, obwohl über 50.000 Menschen anwesend waren. Fußball rückte in den Hintergrund. Menschlichkeit nicht.
Und dann kam dieser Moment, der die ganze Ambivalenz dieses Abends in sich trug.
Flanke von El Mala, fast von der Eckfahne. Im Zentrum Ragnar Ache, mit dem Rücken zum Tor. Und dann, Fallrückzieher. Nicht irgendwie. Sondern so, dass Cenk sichtbar die Welt nicht mehr verstand. Ein Tor wie ein Gemälde, artistisch, mutig, perfekt getroffen.
In normalen Zeiten wäre das Dach weggeflogen. In normalen Zeiten hätte die Süd gesungen, gebrüllt und wäre explodieret. Diesmal aber mischte sich Jubel mit Zurückhaltung. Manche sprangen auf, rissen die Arme hoch, konnten gar nicht anders. Andere blieben bewusst leiser, aus Pietät, aus Respekt vor dem, was wenige Minuten zuvor geschehen war.
Und weißte wat? Beides hatte seine Berechtigung.
Die einen sagen, Respekt heißt Stille. Die anderen sagen, Respekt heißt genau das Gegenteil, nämlich weiterzumachen, weiter zu singen, weiter zu leben, weil der Verstorbene doch genau dafür ins Stadion gekommen ist. Für Atmosphäre. Für Emotion. Für „Come on Effzeh“.
Und ganz ehrlich, beide Gedanken sind nachvollziehbar.
Diese Diskrepanz war spürbar, aber sie war nicht spaltend. Sie war menschlich. Der eine verarbeitet durch Stille, der andere durch Ausbruch. Am Ende standen wir doch zusammen da. Betroffen. Bewegt. Verbunden.
Sportlich zeigte der FC Moral. Nach der Führung durch Ache drehten die Hoffenheimer das Spiel, ehe El Mala nach starkem Konter zum 2:2 traf. Leidenschaft, Umschaltmomente, Kampf, der Aufsteiger stemmte sich gegen einen spielstarken Gegner. Zahlen hin oder her, xGoals hin oder her, an diesem Abend ging es um mehr als Tabellenplätze.
Es war ein Spiel, das uns daran erinnert hat, wie nah Freude und Trauer beieinanderliegen können. Wie ein Fallrückzieher gleichzeitig Ekstase und Demut auslösen kann.
Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen des verstorbenen Fans. Möge er dort oben einen Logenplatz haben, mit Blick auf jedes Traumtor in Rot und Weiß.
Mach et joot, FC-Fründ.
Mer stonn zesamme.