14.10.2026

Sicherheit im Stadion braucht Verantwortung – keine vorschnellen Schuldzuweisungen

Stellungnahme vom Fan-Projekt 1. FC Köln 1991 e.V. ( fans1991) zu den Derby-Vorfällen und den Aussagen der Deutschen Polizeigewerkschaft NRW (DPolG NRW) – „Erkennbar ungenügend“ (EXPRESS, 13. Oktober 2026)

Die Schuldfrage ist zu einfach gestellt. Die Kritik der Deutschen Polizeigewerkschaft NRW (DPolG NRW) am Sicherheitskonzept des 1. FC Köln greift zu kurz, wenn sie die Verantwortung vor allem beim Veranstalter und dessen Ordnungsdienst verortet, ohne die konkreten Abläufe und die Verantwortung der unmittelbar Beteiligten gleichermaßen in den Blick zu nehmen.

Rückblick: Beim Rhein-Derby des FC gegen die Borussia am 11. Oktober 2026 zerstörten Gästefans aus Mönchengladbach mit einem Nothammer die Trennscheibe zwischen den Blöcken. Im Anschluss kam es zu Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Fanszenen; zudem wurden Kanonenschläge gezündet und Leuchtraketen in Richtung der Kölner Zuschauerränge geschossen. Sechs Menschen wurden verletzt, darunter ein Kind, eine Ordnerin und drei Polizeibeamte. Diese Vorgänge sind nicht zu relativieren: Wer gefährliche Gegenstände ins Stadion bringt und andere Menschen gefährdet, muss dafür persönlich Verantwortung übernehmen. Unerwähnt darf in diesem Zusammenhang auch nicht die Tatsache bleiben, dass leider auch aus dem Bereich der Südtribüne zwei Leuchtraketen Richtung Spielfeld gezündet wurden – hierbei kam glücklicherweise niemand zu Schaden.

„Wer einen Gegenstand mit krimineller Absicht ins Stadion bringt, hat nicht vor, ein Fußballspiel zu sehen. Er hat vor, Menschen zu gefährden.“

FC-Geschäftsführer Philipp Türoff erklärte im Gespräch mit dem EXPRESS: „Die Trennung im Oberrang Nord ist bereits die stärkste, die es im Stadion gibt, eine feste Sicherheitsglaswand. Im Oberrang Ost waren zusätzlich nicht verkaufte Sitzreihen als Puffer sowie Ordner vorgesehen. Dass eine Sicherheitsglaswand mit mitgebrachtem Werkzeug herausgebrochen wird, ist in diesem Stadion noch nie passiert, darauf war keine Planung ausgelegt“

Gleichzeitig betonte er den Anspruch, dass Familien das Stadion ohne Angst besuchen können, und kündigte eine Überprüfung möglicher baulicher und personeller Verbesserungen an. Diese Aussagen zeigen: Die kritische Prüfung des Sicherheitskonzepts ist notwendig und richtig. Sie ist aber nicht gleichbedeutend mit dem Nachweis, dass der FC oder sein Ordnungsdienst die Eskalation verursacht haben.

Stadionallianzen NRW

Das Derby war zugleich ein erster echter Härtetest für das neue Sicherheitskonzept im Rahmen der Stadionallianzen NRW, welches seit Beginn dieser Saison Anwendung findet. Das Ziel ist eine noch engere Zusammenarbeit zwischen Vereinen, Landespolizei, Bundespolizei, Kommunen und weiteren Beteiligten. Die Vereine tragen die Verantwortung für die Veranstaltungssicherheit im Stadion; die Polizei bleibt für ihre

gesetzlichen Aufgaben, insbesondere Gefahrenabwehr und Strafverfolgung, zuständig. Die stärkere Eigenverantwortung der Clubs soll eine gezieltere Planung der Polizeikräfte ermöglichen, nicht die Polizei aus ihrer Verantwortung entlassen.

Vor dem Derby hatte die Einsatzleiterin der Polizei Köln, Mareike de Valck, erklärt, die Polizei wolle stärker in den Hintergrund treten und auf die Eigenverantwortung der Fußballanhänger setzen. Nach den Vorfällen muss nun sachlich untersucht werden, ob die Abstimmung, die personelle Präsenz, die Fantrennung und die Reaktionsmöglichkeiten den konkreten Risiken angemessen waren.

 

 

Kritik der DPolG NRW

Die Gewerkschaft bezeichnete die Sicherheitsmaßnahmen des Veranstalters laut EXPRESS als „erkennbar ungenügend“ und stellte zugleich das polizeiliche Konzept als „voll aufgegangen“ dar. Eine solche Bewertung wirft Fragen auf: Wie lässt sich der Erfolg eines Einsatzkonzepts beurteilen, wenn es auf den Rängen zu schweren Auseinandersetzungen und Verletzungen kommt? Und auf welcher Grundlage wird die Verantwortung so eindeutig beim Veranstalter verortet, bevor die Abläufe umfassend aufgearbeitet sind?

Die DPolG NRW darf Sicherheitsmängel benennen und Konsequenzen fordern. Sie sollte dabei jedoch denselben Maßstab an die eigene Einsatzplanung anlegen wie an die Sicherheitsmaßnahmen des FC. Die Frage nach möglicherweise zu spät verfügbaren Polizeikräften gehört ebenso zur Aufarbeitung wie die Prüfung der Einlasskontrollen und der baulichen Trennung. Aus der Zuständigkeit des FC für die Veranstaltungssicherheit folgt nicht automatisch, dass sämtliche Versäumnisse dem Verein zuzurechnen sind.

Eine differenzierte Aufarbeitung muss deshalb mögliche Schwachstellen auf allen Ebenen untersuchen und zwischen organisatorischen Defiziten und der unmittelbaren Verantwortung für Straftaten unterscheiden. Pauschale Vorwürfe ersetzen diese Analyse nicht.

Sicherheit braucht eine ehrliche Aufarbeitung

Für das Fan-Projekt 1. FC Köln 1991 e.V. ist Sicherheit ein zentraler Bestandteil eines lebendigen und vielfältigen Fußballerlebnisses. Familien, Kinder und alle anderen Stadionbesucher*innen müssen darauf vertrauen können, dass ihre Sicherheit ernst genommen wird. Dazu gehören wirksame Kontrollen, angemessene bauliche Schutzmaßnahmen, ein funktionierender Ordnungsdienst und eine Polizei, die bei gefährlichen Situationen handlungsfähig ist.

Unsere Erwartung an die Polizeigewerkschaft NRW und alle beteiligten Netzwerkpartner ist deshalb klar: Wir brauchen eine sachliche, ergebnisoffene Aufarbeitung, die sämtliche Abläufe berücksichtigt, mögliche Sicherheitslücken eruiert und die identifizierten Verantwortlichen für deren gefährliche Handlungen konsequent zur Verantwortung zieht.

Gleichzeitig ist es unser Wunsch, dass sich die Verursacher dieser Szenen auch einmal selbstkritisch hinterfragen, ob ein solches Verhalten für die einmalige Stimmung in deutschen Stadien dienlich ist. Auch wenn vorgenannter Wunsch wahrscheinlich ein Wunschtraum bleiben wird: solche Szenen gehören nicht ins Stadion!

Sicherheit entsteht nicht durch vorschnelle Schuldzuweisungen. Sie entsteht durch klare Zuständigkeiten, wirksame Prävention, gegenseitige Kontrolle und die Bereitschaft aller Beteiligten, auch die eigene Rolle kritisch zu hinterfragen.

14. Oktober 2026

Der Vorstand Fan-Projekt 1. FC Köln 1991 e.V.