News vom 23.04.2020

fans1991 IM GESPRÄCH MIT DR. SYLVIA MÜNSTER“

Das Coronavirus bringt uns alle in ungewohnte und schwierige Situationen. Uns allen, aber vor allem den Mitarbeitern von Krankenhäusern, Pflegediensten aber auch anderen lebensnotwendigen nichtmedizinischen Bereichen, wird in dieser Zeit furchtbar viel abverlangt.

Wie ist es aktuell für die in diesen Berufen arbeitenden Menschen? Wir von fans1991 wollen es näher wissen und werden daher in den kommenden Wochen immer wieder mal mit diesen Menschen über ihre Situation sprechen.

Los geht es mit einem Gespräch mit Frau Dr. Sylvia Münster. Sie ist Oberärztin in der Notaufnahme des St. Eliabeth-Krankenhaus Köln Hohenlind.

Wo bzw. als was arbeiten Sie?

Ich bin internistische Oberärztin in der Notaufnahme.

Was macht Ihnen an Ihrem Beruf besonders Spaß?

Der Beruf ist sehr abwechslungsreich, kein Tag ist wie der andere. Gerade in der Notaufnahme weiß man nie, was als nächstes passiert.

Wie gestaltet sich die aktuelle Situation für Sie beruflich?

Die letzten Wochen waren zunächst recht anstrengend, weil das gesamte Krankenhaus auf Corona-Betrieb umgestellt werden musste. Es gab viel zu organisieren, auf- und umzubauen und umzustrukturieren. Zum Beispiel wurden OP-Säle zu Intensivstationen umgebaut, eine „Corona-Ambulanz“ eingerichtet und Normalstationen zu Isolierstationen umgerüstet.  Dadurch sind wir in der Lage, sowohl die COVID-19-Patienten, als auch die anderen Patienten jederzeit gut zu versorgen und sind bisher glücklicherweise nicht an unsere Kapazitätsgrenzen gestoßen.

Wie nehmen Sie das Thema „Anerkennung“ Ihres Berufes wahr? Wie war es vor der Corona-Krise und wie ist es aktuell?

Als Ärztin habe ich auch vor der Corona-Krise Anerkennung erfahren.

Dass die Menschen nun abends an den Fenstern stehen und klatschen sehe ich eher als Anerkennung für Menschen in Berufen, die bisher oft im Hintergrund standen – Pflegekräfte in Krankenhäusern und Pflegeheimen, Erzieher/-innen, Verkäufer/-innen in den Supermärkten, Mitarbeiter der Müllabfuhr, etc.

Gab es besonders schlimme/bedrückende oder aber vielleicht auch trotz der aktuellen Situation besonders schöne Momente in der letzten Zeit?

Am meisten haben mich persönlich die Bilder aus Norditalien bedrückt. Meine Sorge war, ob wir die erwartete Menge an schwer kranken Patienten versorgen können und ob unsere Kapazität auf der Intensivstation ausreichen wird.

Schön fand ich den großen Zusammenhalt im Krankenhaus. Viele Mitarbeiter haben mit angepackt, so dass die neuen Intensivstationen und die Corona-Ambulanz innerhalb weniger Tage einsatzbereit waren. Die Näherei hat mehrere Hundert Masken für die Mitarbeiter genäht, HNO-Pflegekräfte und MTA-Schüler/-innen sind gemeinsam für die Einlasskontrolle am Haupteingang zuständig, zudem wurden Pflegekräfte aus allen Abteilungen auf der Intensivstation eingearbeitet.

Überrascht hat mich die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung und von Kölner Firmen, die mit kleinen Aufmerksamkeiten „Danke“ gesagt haben (Anmerkung der Redaktion: auch fans1991 hat z.B. an Ostersonntag das St. Elisabeth-Krankenhaus besucht um den Mitarbeitern ein kleines Dankeschön auszusprechen). Damit hatte ich nicht gerechnet.

Gibt es etwas, was Sie sich von der Bevölkerung oder der Politik besonders wünschen? Wie kann man Sie aktuell am besten unterstützen?

Die Bevölkerung war bisher sehr diszipliniert und hat sich weitgehend an die Kontaktverbote gehalten, nur dadurch konnte das exponentielle Wachstum aufgehalten werden. Ich wünsche mir, dass die Menschen trotz der momentanen Lockerungen die Kontaktbeschränkungen und Verhaltensregeln weiterhin ernst nehmen, damit es nicht wieder zu einem Anstieg der Infektionszahlen kommt. Damit kann man uns am besten unterstützen.

Was wünschen Sie sich als Maßnahmen für Ihr Berufsfeld nach der Corona-Krise?

Ich hoffe, dass durch die Corona-Krise die Digitalisierung in Deutschland, auch in der Medizin, vorangetrieben wird. Zudem sollte es in Deutschland nie wieder zu einem Mangel an Schutzausrüstung (Mundschutze, Handschuhe, Desinfektionsmittel, etc.) kommen. Die Politik muss dafür sorgen, dass diese Produkte und auch wichtige Medikamente wieder in Deutschland oder Europa produziert werden.

Vielen Dank für das Interview und ihren Einsatz!