News vom 02.04.2020

„FANMAGAZIN KÖLSCHLIVE… WIE ALLES BEGANN!“

Aktuell stellen wir Euch regelmäßig ausgewählte Artikel und Interviews aus unserem Fanmagazin kölschlive vor. Aber wie ist dieses Fanmagazin überhaupt entstanden? Für die 100. Ausgabe im Dezember 2016 hat unser Autor Bastian Hoyer einmal zurück geblickt und einige der damligen Wünsche konnten zwischenzeitlich sogar schon erfüllt werden...

Unsere Mitgliederzeitung ist seit Februar 1992 auf dem Markt. Ins Leben gerufen wurde sie am Tag der Gründung des Fan-Projekts, sprich am 31. Oktober 1991. Nachdem sich schnell das Redaktionsteam gefunden hatte, ging die spannende Diskussion um den Namen der Zeitung los. Mit Adenauerscher Mehrheit von einer Stimme setzte sich damals „kölschlive„ gegen „Mach et“ (die älteren FC-Fans sowie Erich Rutemöller werden wissen, wie es zu diesem Namensvorschlag kam) durch.

Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre boomte in den deutschen Fanszenen der Markt von Fanzines, wie die meist von einzelnen Personen selbstgefertigten Hefte nach englischem Vorbild genannt wurden. Da wollten wir Gründungsmitglieder des Fan- Projekts natürlich auch mitspielen. Motivation war allerdings so ziemlich das Einzige, was wir bei den Planungen einbringen konnten, ansonsten fehlte es vor allem am technischen Knowhow.

Zum Glück kannte ein Mitglied aus unseren Reihen einen technisch begabten FC-Sympathisanten, der glücklicherweise auch noch einen PC hatte. Die Druckerei war auch schnell gefunden, fehlten nur noch die Inhalte, um das Heft auch zu füllen. Wir haben über diese Startphase oft im Nachhinein als „Kartoffeldruckverfahren“ gesprochen. Artikel der einzelnen Redakteure wurden zunächst handschriftlich verfasst und von unserem Layouter Andreas Lampe, eben beschriebenen FC-Sympathisanten mit PC, am Computer eingetippt. Sobald alles eingetippt war, wurde Korrektur gelesen und dann ausgedruckt. Die einzelnen Bilder mussten vorher gerastert werden von der Druckerei, ehe sie dann in die vorgesehenen freien Textfelder eingeklebt wurden. Manchmal musste auch noch ein wenig geschnibbelt werden, bis es passte. Mit dem technischen Fortschritt kam dann ab der vierten Ausgabe der erste eigene Fotoscanner zum Einsatz, der zunächst dafür sorgte, dass die Bildqualität deutlich schlechter wurde. Doch auch das bekamen wir im Laufe der Zeit in den Griff.

Was nur wenige wissen: „kölschlive“ war nicht von Beginn an für alle unsere Mitglieder im Mitgliedspreis enthalten. Die erste Ausgabe mit einer Auflage von 700 Stück wurde komplett im Stadion verkauft. Die Zusendung für die Mitglieder erfolgte erst ab der zweiten Ausgabe um für alle Mitglieder einen zusätzlichen Wert zu schaffen. Das war sicher einer der Gründe dafür, dass die Auflage stetig gesteigert werden konnte, bis zur heutigen Auflage.

Wir Redakteure hatten gerade in den ersten Jahren viel zu tun. Neben Schreiben, schnibbeln und Stadionverkauf waren wir auch für die Vorbereitung des Postversands zuständig. Das bedeutete alle drei Monate, die Hefte mit Adressklebern zu versehen und sie nach Postzeitzahlen sortieren. Daraus wurden dann nach fest eingeteilten Versandbereichen (zum Beispiel Postleitzahl 50000-50200) Bündel geschnürt und in die vorher beim Briefzentrum abgeholten Postkisten gepackt. Die Versandaktionen fanden im Wechsel im elterlichen Wohnzimmer eines der Redakteure statt – die Eltern wurden kurzfristig ausquartiert und hatten einzig und allein die Verpflegung mit Getränke und Süßigkeiten sicherzustellen. Die Arbeit war stupide und auch anstrengend. Dennoch hatten wir bei diesen Happenings immer viel Spaß. Aber ganz ehrlich: Kein Redaktionsmitglied war böse, als wir diese Aufgabe irgendwann aufgrund der stetig steigenden Mitgliederzahlen an einen Dienstleiter vergeben haben.

Geradezu revolutionär war der Wechsel des Layouts ab Ausgabe 23. Hatten wir bis dato wenig am Erscheinungsbild der Zeitung ge ändert, so führte der Wechsel der Druckerei samt Übernahme des Layouts zu ganz neuen Möglichkeiten. Erstmalig erschien das Cover in Farbe, dazu mussten sich die Leser statt der bisher einspaltigen Textseiten auf ein dreispaltiges Layout umstellen. Mit der neuen Druckerei erhielten wir gestalterisch viele neue Möglichkeiten. Gerade in Sachen Fotos wurde eine neue Qualität erreicht.

Zeitgleich mit dem neuen Layout änderte sich auch Schritt für Schritt der inhaltliche Stil des Heftes. Erlebnisberichte von Auswärtsfahrten gab es nur noch selten, stattdessen konzentrierten wir uns mehr auf die Hintergrundsberichterstattung und auch auf die Kommentierung aktueller Fanthemen. Es ist bezeichnend, dass aus dem damaligen Redaktionsteam heute gleich mehrere Mitglieder als gestandene Journalisten arbeiten. Für einige war „kölschlive“ tatsächlich das berufliche Sprungbrett.

Diese Zeit war auch die Zeit des sportlichen Niedergangs des 1. FC Köln, der 1998 erstmals aus der Bundesliga abstieg. Dementsprechend war die Berichterstattung auch oftmals von beißender Ironie gekennzeichnet, die bei den damals sehr dünnhäutigen Verantwortlichen des 1. FC Köln oftmals für Unmut sorgte. Es gab nicht nur einmal Gesprächsbedarf zu dieser Zeit. Aber zensiert hat man uns niemals. Wahrscheinlich gut, dass wir damals noch kein Handy in der Redaktion hatten, auf dessen Mailbox man hätte Drohungen hinterlassen können. Insgesamt hat sich also Vieles im Laufe der Jahre geändert.

Aber es gab neben dem Eintipper auch weitere Konstanten im Redaktionsalltag. Eine Konstante ist bis heute, dass es mindestens drei verschiedene Redaktionsschlüsse gibt. Der offizielle wird regelmäßig zu 80% nicht eingehalten, der nach hinten verlängerte Redaktionsschluss sorgt zumindest dafür, dass gut die Hälfte der Beiträge eintrudelt. Am Ende kommt es dann oftmals zu persönlichen Vereinbarungen zwischen Schreiberling und Chefredakteur, die wenigstens in den allermeisten Fällen zum Erfolg führen. Es hat aber auch schon Hefte gegeben, bei denen der Chefredakteur, der die Inhalte koordiniert und fertig stellt, kurzfristig eine Woche Urlaub nehmen musste, um das Heft in einer Tag-und-Nacht-Aktion noch pünktlich erscheinen zu lassen. Manchmal gab es auch einfach peinliche Fehler im Heft zu bewundern wie z.B. die Gaffel- Anzeige, die spiegelverkehrt gedruckt wurde. Peinlich sicher auch, dass in einem Heft ein Leserbrief ohne Korrektur der Rechtschreibung abgedruckt wurde. Sage und schreibe 31 Fehler auf einer Seite sind bis heute absoluter Rekord.

Heute ist kölschlive eines der ältesten Fanszines Deutschlands

Sehr vieles hat sich geändert seitdem wir vor 25 Jahren gestartet sind. Der 1. FC Köln stieg viel zu oft ab und immerhin genauso oft wieder auf. Aus einem Chaosclub wurde ein feiner Verein und aus dem Fan-Projekt wurde fans1991. kölschlive ist immer noch kölschlive.

Wenn wir uns auch technisch und inhaltlich verändert haben, bleibt unsere Begeisterung für den 1. FC Köln und seine Fans konstant. Wir freuen uns auf weitere 25 Jahre „kölschlive“. Mögen wir oder gegebenenfalls unsere Nachfolger Rubriken einführen wie „Mit dem FC durch Europa“ und Artikel schreiben die „Wie ich das Double erlebte“ oder „Stöger feiert 20jähriges Dienstjubiläum mit Meistertitel“ heißen. Und auch wenn die Schlagzeile lautet „Sechster Abstieg, wie konnte das passieren?“ wird kölschlive da sein.

Denn wir sind kein Magazin, dass auf Erfolg basiert. kölschlive kommt von Herzen. Von Fans, für Fans. Danke für Eure Unterstützung und auf eine tolle Zukunft.